Sitzen wie ein/ König/in

Der richtige Sattel

Eines mit der wohl wichtigsten Bauteile des Rennrads ist, man mag es kaum glauben, der Sattel! Hier entscheidet sich, außer bei der Rahmenwahl, einiges für den Fahrer. Daher sollte die Wahl wohl und gut überlegt sein.

WARUM?

But(t) why is it important?

Konkaktstelle

Ein Sattelt stellt den direkten Kontakt vom Fahrer zum Rad (neben Pedal und Lenker) dar. Dabei ist das Gesäß auch noch eines der empfindlichsten Körperteile dafür.

Schmerzfreies Fahren

Es gibt kaum ein Bauteil am Rad, welches so oft für Schmerzen auf Ausfahrten verantwortlich ist, wie der Sattel. Auch daher ist er so wichtig.

Sicherheit

Nur wenn der Kontakt optimal vorhanden und die Fahrt schmerzfrei ist, ist eine Ausfahrt auch sicher möglich. Sonst leiden Konzentration, Haltung und mehr.

Ich fahre...

Einen Hinweis möchte ich vorab geben. Ich gebe keine Empfehlung ab!

WARUM? JEDER ARSCH IST ANDERS!

Es hilft daher keinem, die Empfehlung eines bestimmten Sattles von einem Freund, Kollegen oder einer Influencer Koryphäe anzunehmen. Das geht meist daneben und daher gebe ich auch keine Empfehlung ab. Ich hab meinen für mich perfekt passenden Sattel, aber der wird keinem weiterhelfen, der nicht dort unten einen ähnlichen Körperbau und gleiche Sitzposition auf dem Rad hat.

Tipp vorweg

Lokal statt online

Ja, online bestellen bietet 14 Tage und ist meist günstig etc., aber der Sattel ist die falsche Stelle zum Sparen! Das ist zumindest meine Meinung und Erfahrung. Ein Ladengeschäft bietet hier meist mehr Möglichkeiten.

  • Das Gesäß kann direkt vor Ort, in spezailisierten Radgeschäften oft schon hoch modern, vermessen werden. So kann der Sitzhöckerabstand ermittelt werden, der zu einem großen Teil für die Auswahl des richtigen Sattels wichtig ist. (Bike-Fittings bieten hier noch mehr Messparameter, wie Neigung der Sitzposition etc.)
  • Weiterhin sind im Ladengeschäft mehrere Sättle direkt verfügbar. Ich kann also eventuell bereits ein paar Modelle probieren und ausschließen. Richtig unpassende Sättle merkt man schon beim ersten Sitzversuch.
  • Gute Radsportgeschäfte ermöglichen es den Sattel 14 Tage oder mehr probe zu fahren. Oft bieten sogar die Hersteller selber ein Testprogramm, so dass die Händler dort auch keine Probleme haben mit Umtäuschen etc.

Daher würde ich, bevor umständlich online bestellt, probiert, zurückgesendet wird, das Ladengeschäft vorziehen.

WAS GIBT ES ZU BEACHTEN?

Dickes Polster, nicht unbedingt gut.

Hier möchte ich auf Punkte eingehen, die sowohl online, als auch im Geschäft von Vorteil sein können.

Zu aller erst einmal gibt es verschiedene Sättel, von Form über Polsterung und mit oder ohne Aussparung des Dammbereichs. Grundsätzlich sind gepolsterte Sättle nicht immer gleich besser. Das gilt sowohl auf dem Rennrad, als auch für Mountainbike oder City-Rad! Ein dickes Polster kann dazu führen, dass der Druck auf langen Touren höher wird. Ja, höher! Also genau das Gegenteil was man sich erhofft zu erreichen. Auch die Bewegungsabläufe der Beine können durch weiche Sättle verschlechtert werden, wenn diese zu sehr nachgeben bei hohem Druck.

Wie auch später im Blog im „Onlinekauf“ erklärt, sollte die Sitzbreite bestimmt werden. Das machen die meisten Händler oder ein Bike-Fitter eigentlich standardmäßig. Macht es der Händler nicht, nehmt die Beine in die Hand und sucht einen, der sich Mühe gibt und weiß was er tut.

Für Rennrad empfiehlt es sich die Sitzhöcker möglichst auf dem Sattel aufliegen zu haben, aber nur diese. Und das wird immer am Anfang schmerzen! Das „Sitzfleisch“ muss sich hier noch an die ungewohnte Belastung gewöhnen. Außerdem polstern Muskeln besser wie Fett. Grad als Anfänger wird meist wenig Muskulatur das Gesäß stützen. Es kann daher sein, dass die Empfindlichkeit über die Zeit abnimmt! Das ist wichtig zu wissen, denn es gibt Hersteller, deren Sättle sehr gut geeignet sein können, aber grad Anfängern mehr Schmerzen als Linderung verschaffen. Zum Beispiel SQ-Lab. Hier sind die Auflagen sehr hart und man sitzt sehr punktuell auf dem Sitzknochen. Bei guter Muskulatur kann das super sein. Wenn man unter 50km die Woche fährt, kann dieses Konzept aber durchaus auch nicht ideal sein. Für diese Art Sattel fehlt, wenn kein anderer Sport gegeben der diesen Bereich aufbaut, die Muskulatur als natürliches Polster.

Also nicht unbedingt direkt zu Beginn schon den Sattle tauschen. Es kann sinnvoll sein, damit noch zu warten, bis der Hintern sich daran gewöhnt hat und/oder Muskulator aufgebaut wurde.
Ausgenommen, der Schmerz ist unerträglich, beeinträcht einen zu sehr oder es gibt weitere Symptome, wie Taubheit in Beinen, Rücken oder Glied/Hoden etc.

 

Die typen

Welche Sättel für was und wen?

Wie schon gesagt gibt es unter anderem unterschiedliche Breiten. Hier haben die Hersteller verschiedene Angaben. Manche geben die Breite direkt an z.B. 134mm, andere haben Angaben wie S2, L3 etc. und wieder andere nur S, M, L etc. Wenn nur solche eigenen Größen angegeben werden, gibt es in aller Regel in den Produktdaten die „normale“ Breitenangabe.

Zusätzlich zur Breite gibt es verschiedene Polster, das Thema ist oben behandelt.

Und dann verschiedene Formen. 

Hier gibt es einmal Sättle mit Aussparungen für den Damm oder ohne. Dies ist vor allem für Herren, aber auch Damen wichtig, um dort verlaufende Adern, Sehnen etc. zu entlasten. Eingequetscht kann es so Lähmungserscheinungen und Potenzproblemen kommen. Auch kann es zu mehr Reizungen kommen. z.B. der Prostata. Ob und wie groß ist hier individuell. In aller Regel würde ich einen Sattel mit bevorzugen. Ob mit großem oder kleinem Ausschnitt kommt auf die Sitzhöckerabstände an.

Und zusätzlich zur Aussparung gibt es die Bauform. Kurze Nase, lange Nase. Breit, abfallend, flach etc.
Hier mal ein paar Beispiele der Arten.

Kurze Nase = Triathlon (hier sitzt der Fahrer zum größten Teil sehr sportlich. Die kurze Nase begünstigt diese Position und ermöglicht so mehr Freiheit zwischen den Beinen für optimale Bewegungsabläufe eng anliegend.

Lange, schmale Nase = Rennrad. Die lange Nase müsste hier meist nicht sein. Aber es gibt auch für Sättle von der UCI eine Vorgabe für Mindestlängen. Daher und aus der Vergangenheit diese vorm. Viele Profis fahren oft auf dem „normalen“ Rennrad auch kurze Sättle (so lang UCI Mindestlänge eingehalten).

Lange, breitere Nase = Mountainbike. Der Sattle ist dem Rennrad sehr ähnlich, die Nase oftmals etwas breiter. Die Beine stehen weiter auseinander und der Sattel ermöglicht gutes Händling in unebenem Gelände.

Breites Gesäß, verhältnismäßig breite, kurze Nase = City-Rad, Tourenräder etc. Die Sättle sind für kurze Ausfahrten gedacht und sollen eine breite Masse abdecken. Es gibt oft keine spezifischen Größen. Daher eine Einheitsform für alle. Bei kurzen Stadtfahrten nicht weiter schlimm und auffallend.

Grundsätzlich gibt es keinen Widerspruch, einen MTB Sattel an einem Rennrad zu benutzen. Oder einen City am MTB. Hier sollte das eigene Wohlempfinde vor der Optik stehen. Es bringt nichts einen windschnittigen Carbonsattel montiert zu haben, wenn ich damit nach 15km wie auf einem Nagelbrett sitze und Schmerzen habe.

RICHTIG SHOPPEN

Wenn online, dann...

Sofern Ihr die Sitzknochenabstände eures Hinterns nicht kennt, besorgt euch eine Messpappe. Eine einfache einseitige Wellpappe tut es hier auch. Sofern Ihr so etwas nicht habt, könnt ihr euch diese teils kostenlos oder für einen kleinen Obolus von SQlabs bestellen.

Habt ihr eine zur Hand, dann legt diese mit der Wellenseite nach oben auf einen harten Stuhl (Wichtig, denn ein gepolsterter Stuhl gibt zu sehr nach.). Dann zieht ihr euch aus. Idealer Weise bis ihr komplett nackt seid, aber es geht meist auch in Unterhose. Setzt euch nun kerzengrade auf die Pappe. Stellt eure Füße auf den Boden. Stellt sie auf Zehenspitzen. Pakt die Sitzfläche des Stuhls mit den Händen und zieht euch auf den Stuhl. Als wolltet ihr euch durchdrücken. Habt ihr alles richtig gemacht dürfte die Pappe jetzt etwas platter sein, aber insbesondere an genau zwei Punkten, die so ca Euro-Stück groß sind. Dies sind eure Sitzknochen! Wenn ihr jetzt die Mitte der beiden Punkte messt, dann habt ihr euren Sitzknochenabstand, mittels diesem könnt ihr bei vielen Sattelherstellern eure Sattelgröße bestimmen. Welche das ist, müsst ihr bei jedem Hersteller schauen!!! Denn jeder Hersteller hat eine Geometrien des Sattels. Ein Sattel in 13 cm Breite von Hersteller XY muss nicht auch 13 cm bei einem anderen Hersteller bedeuten. – Bestellt euch nur einen Sattel, wenn der Online-Händler euch ein großzügiges Rückgaberecht einräumt! Es gibt auch einige Hersteller, die eine „Geldzurückgarantie“ anbieten. Nur so geht ihr sicher, nicht unnötig Geld raus zu werfen. Ich selbst habe fünf Sättel gebraucht, um den für mich passenden zu finden. Und ich weiß aus anderen Erzählungen, dass das nicht viel ist. Zehn und mehr Versuche sind nicht selten. Überlegt euch also den Onlinekauf vielleicht jetzt noch einmal. 😉
Ihr habt alles? Größe, Händler etc. und nun soll der Kauf los gehen? Aber worauf achten? Nun… als aller erstes. SCHEISST auf Design! Es ist wichtig gut zu sitzen. Wenn ihr drauf seid, sieht den Sattel eh kaum wer. 😉
Sucht euch eventuell verschiedene Modelle aus und bestellt diese zur Ansicht. Mit oder ohne Aussparungen. Das müsst ihr jetzt ausprobieren, da ohne eine ordentliche Vermessung, keiner euch sagen kann ob ihr eure Gefäße einquetscht oder nicht. Bei Männern ist es meist empfehlenswert einen Sattel mit zu nehmen. Allerdings kann dies bei engen Sitzknochen auch Probleme geben.

Und nun?

Fazit?!

Leider für viele bestimmt Ernüchterung? Denn meist erhofft man sich ja ein „Der, mit dem wirst du glücklich“. Aber ich würde lügen und  auch jeder andere, wenn ich dies verspreche. Nehmt euch die Zeit für die Sattelsuche, es lohnt sich. Und mit richtigem Händler oder Bike-Fitter ist euch mehr gedient, als mit meiner Empfehlung oder die von irgendwem anders.